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Krimi-Rezension „Das Schwert des Ostens“ von Manfred Rebhandl

Schwert des Ostens, Quelle: Czernin Verlag
Manfred Rebhandl, 1966 geboren, gewann mit dem Krimi „Das Schwert des Ostens“ den diesjährigen Leo-Perutz-Preis der Stadt Wien für Kriminalliteratur. Der österreichische Krimiautor schickt nach seinen Biermösel-Krimis nun einen neuen Helden ins Rennen.

 

Kurzbeschreibung

Superschnüffler Rock Rockenschaub arbeitet nebenberuflich in „Dirty Willis Swedish Pornhouse“ am sündigen Wiener Gürtel. Zusammen mit seinem Kumpel und Vermieter Lemmy, der am Brunnenmarkt seinen Drogen-Großvertrieb „Quattro Stazzione“ betreibt, freut er sich auf die Wiederaufnahme des Welterfolges „Jack schleckt auf!“, einem Pornofilm aus den 80er-Jahren. Doch als sie beim Pornhouse ankommen, liegt der Inhaber Willi zusammengeschlagen in seinem Büro.

Rock verdächtigt ein paar wild gewordene Mütter aus der immer größer werdenden Jungfamilienszene, die den alteingesessenen Verlierern und Sozialhilfeempfängern ihr neureiches Leben aufzwingen wollen. Doch der angeschlagene Willi bringt Rock auf die Spur der Daltons, vier türkischen Brüdern, die nahe dem „Pornhouse“ ihre kleine türkische Pornoklitsche „Türkpörn“ betreiben und neuerdings expandieren wollen. Die Türken in der Gegend haben nämlich einen neuen Helden: „das Schwert des Ostens“, einen türkischen Pornostar von ganz weit östlich, der einen hängen hat wie ein Esel.

 

Manfred Rebhandl
Das Schwert des Ostens
Hardcover, 248 S.
Czernin Verlag, 2012
Erhältlich auch als E-Book

 

Meine Meinung
In seinem Krimi „Das Schwert des Ostens“ präsentiert Manfred Rebhandl ein ganz besonderes Viertel von Wien, das überhaupt nicht ins Klischee der schmucken österreichischen Kaiserstadt passt. Seine Story siedelt er im Multikulti-Viertel rund um den Brunnenmarkt und Yppenplatz an und hier geht es wirklich zur Sache. Rebhandl liefert eine Trash-Story vom Allerfeinsten und pfeift auf jede Form vom Political Correctness. Schillernd bunte und überdrehte Figuren verleihen den Krimi seine prahle Substanz, angefangen beim Superschnüffler Rock Rockenschaub, der sein abgefahrenes Leben im Sex- und Drogenmilieu in vollen Zügen genießt, nebenbei klärt er Mordfälle auf und lüftet das Geheimnis um „Das Schwert des Ostens“. Ihm zur Seite stellt Rebhandl eine nicht minder illustere Schar von Nebenfiguren, Kumpel und Drogendealer Lemmy, Kommissar Guttmann, Willi, der Betreiber von „Dirty Willis Swedish Pornhouse“, Teegeschäftsinhaberin Darjeeling-Silke sowie Rechtsextremisten in Gestalt des Fleischhauers Rott und des Kioskbesitzers Danner.
Rebhandls Krimi ist gespickt mit überdrehten Milieuschilderungen, bei denen jeder auf seine Art sein Fett wegbekommt, nein, nicht nur ein bisschen, sondern gleich kiloweise: die Alteingesessenen, die Migranten aller Couleur, Alternative und die neureichen Bobos. Genüsslich zerpflügt er fragwürdige Ermittlungsmethoden der Behörden, tiefschürfende Analysen von Freud Nachfahren und die Ergüsse der Zeitungsjournale.
Rebhandl überzeugt mit seiner trashigen Sprachgewalt, die von tiefsinnigen, witzigen Ideen nur so trotzt und mit Schimpfwörtern und Sexeskapaden nicht spart. Auf den ersten Blick mag „Das Schwert des Ostens“ eine bitterböse Abrechnung mit dem Wiener Viertel sein, aber im Grunde ist es seine ganz persönliche Liebeserklärung. Mit seiner trashiger Art ist er dem Puls des „wirklichen“ Leben in der österreichischen Hauptstadt auf der Spur. Sein Krimi ist eine Einladung, Wien einmal von einer anderen Seite kennenzulernen: Wie heißt es so passend bei Lou Reed: Take a walk on the wilde side…

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. Ein abgefahrener Krimi, der in eine bunte, schrille Trash-Welt entführt.

Ich danke dem Czernin Verlag für das Rezensions-Exemplar.

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