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Giallo-Collection, Teil 1

Giallo, Quelle: Koch Media

Giallo, Quelle: Koch Media


Wer skurrile „kultige“ Thriller mag, sollte einen Blick in die „Giallo-Collection, Teil 1“ werfen. Drei unterschiedliche Giallo-Filme aus der Anfangszeit des Giallo (zu Deutsch: Gelb) vereint diese Edition, die alle Filme erstmals ungeschnitten und in digital restaurierten Fassungen präsentiert. Seinen Namen verdankt Giallo, das Subgenre des italienischen Thrillers, der Farbe des Einbands der Groschenromane, an denen sich die Filme anlehnen. Das Besondere an den Filmen, oft sind die Gialli visuell sehr reizvoll und effizient inszeniert.

Sindoni „Tödliches Erbe“ (1968)
Eigentlich unspektakulär kommt Vittorio Sindoni „Tödliches Erbe“ (1968) daher: Ein Mann wird irgendwo in der französischen Provinz von einem Zug überrollt. Der Ermordete entpuppt sich nach seinem Tod als vermögend, doch seine drei schönen Töchter und sein behinderter Adoptivsohn müssen drei Jahre warten, bis sie ans Geld kommen. Dies ist der Auftakt zu einem mörderischen Komplott…
Der solide gebaute Film mit einer kurzweiligen Inszenierung, überzeugenden Darstellern und einem gelungenen Soundtrack besticht heute vor allem durch das famose 1960er-Jahre Flair der französischen Schauplätze. Insgesamt ein unterhaltsamer Krimi.

Mazzei “Die Waffe, die Stunde, das Motiv“ (1972)
Unerwartete Einblicke in das „anrüchige Treiben“ hinter den Mauern eines italischen Nonnenklosters bietet der Film „Die Waffe, die Stunde, das Motiv“ von Francesco Mazzei. Der gütige Pater Don Giorgio, der sich schnell als Frauenschwarm entpuppt, wird in der Kirche ermordet. Kommissar Boito ermittelt im Mordfall und verliebt sich in die schöne Orchidea, die als Lehrerin am Kloster unterrichtet. Der Fall gibt viele Rätsel auf, wäre da nicht der im Kloster lebende Waisenjunge Ferruccio, der den Mord vom Dachboden der Kirche beobachtet hat, ohne den Mörder zu erkennen… Mazzei garniert den konventionell gestrickten Film mit allerlei obskuren Details, wie den Besuch der Verliebten in einem mysteriösen Restaurant, Katakomben mit ungewöhnlich hergerichteten Skeletten, die Dusch- und Selbstgeißelungsszenen der Nonnen sowie die grandiose Idee, die Auflösung des Falls mit einer Hochzeitszene zu verbinden. Es sind die „Zutaten“ des Films, die seinen Reiz ausmachen.

Schivazappa “The Laughing Woman” (1969)
Die Geschichte ist schnell erzählt: Der reiche Dr. Sayer hat panische Angst davor, dass Frauen bald die Weltherrschaft an sich reißen. Sein Opfer ist die junge Maria, die er betäubt und in seine bizarres Landhaus verschleppt, wo er sie erniedrigt und demütigt – bis es ihr gelingt, dem Albtraum ein Ende zu setzen. Piero Schivazappa gelingt es in “The Laughing Woman” eine äußerst bizarre Welt aufzubauen, angefangen bei der Einrichtung, die eine Mischung aus Kunsttempel und 1960er Jahre Hi-Tech Folterkammer ist. Durch die stimmige Auswahl von Dekor, Kameraeinstellungen und Musik gelingt es dem italienischen Regisseur, die innere Welt des Psychopaten in beängstigende Bilder umzusetzen. Dr. Sayer lebt in einer äußerst skurrilen Welt mit einer Gemäldegalerie, die Vergrößerungen von aggressiven Virenstämmen zeigt, und einer Gummipuppe, angefertigt nach seinem Ebenbild. Bedenkt man das Entstehungsjahr des Films, ist es unübersehbar, dass Schivazappa mit den S&M-Szenen provozieren wollte, heute fasziniert der Film vor allem durch die intensiv wirkende Pop-Art Atmosphäre. Der Film von Schivazappa ist mein Highlight dieser Giallo-Collection.

Eine kultige Klassikerkollektion, die förmlich nach einer Fortsetzung schreit.

Giallo-Collection, Teil 1
Die Waffe, die Stunde, das Motiv“ (1972), The Laughing Woman (1969), Tödliches Erbe (1968)
Länge: ca. 100 Minuten/ ca. 86 Minuten/ ca. 80 Minuten
DVD-Erscheinungsdatum: März 2013
Koch Media
Regisseure: Vittorio Sindoni, Piero Schivazappa, Francesco Mazzei
Darsteller: Philippe Leroy, Renzo Montagnani, Ernesto Colli
FSK: Ab 18 Jahren

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