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Die Krimi Rezension von „Immer schön gierig“ von Rob Alef

Immer schön gierig, Quelle: Rotbuch Verlag

Immer schön gierig, Quelle: Rotbuch Verlag


Rob Alef wurde 1965 in Nürnberg geboren und arbeitet als freischaffender Rechtshistoriker. Darüber hinaus schreibt er regelmäßig Satirisches, unter anderem für die taz. Alef ist in Berlin-Friedrichshain polizeilich gemeldet, wo er schläft, kocht und Figuren ersinnt, die manchmal sterben müssen. Seine Romane wandeln auf dem schmalen Grat zwischen Phantastik, Satire und Thriller.

Rob Alef
Immer schön gierig
Paperback, 336 S.
Rotbuch Verlag; 2013

Meine Meinung:
Morgens ist die Welt eigentlich noch in Ordnung, nicht so im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Auf einer Landzunge an der Spree wird eine Leiche einer Frau entdeckt. Ungewöhnlich allenfalls, dass der Mörder sie nach der Tat schminkte und auf dem Stralauer Friedhof ablegte.

Rob Alef neuer Krimi „Immer schön gierig bleiben“ greift dabei in fantasievoller Weise ein brisantes gesellschaftliches Thema auf, die Mieten in der Hauptstadt steigen ständig, etwa jeder vierte Berliner soll auf der Suche nach einer günstigeren Bleibe sein. Es stellt sich heraus, dass es sich bei der Toten um die Immobilienmaklerin Verena Adomeit handelt.

Bis sich die Dielen biegen
Und wie Alef dieses spröde Thema aufbereitet, ist äußerst humorvoll und absolut lesenswert. Die Ermittlungen führen Hauptkommissar Paschulke und sein Team mit Zabriskie, Dorfner und Co., die den Fans von Alef bestens bekannt sind, quer durch die Stadt, wo sich an allen Ecken die Wohnungsnot bemerkbar macht. Schon allein die Charaktere des Ermittlungsteams sind voller witziger Nuancen und müssen sich auf ihre Art im Großstadtdschungel zurechtfinden. Nicht nur Zabriskie und Dorfner steht eine Wohnungskündigung wegen Eigenbedarf ins Haus, auch Hauptkommissar Paschulke sucht nach einer neuen Bleibe. Zumindest für seine Schallplattensammlung, da sich die Dielen in seiner Wohnung bereits von der Last des schwarzen Vinyls gefährlich verziehen.

„Weiße Berge“ in der Stadt
Rob Alef verstreut quer durch den Krimi immer wieder lustvoll phantastische, komische und fast schon zynische Einfälle. Angefangen bei der Unterbringung des Kommissariats in einem Container, der mit einem Swimmingpool auf dem Dach ausgestattet ist, aber nur weil die Aufstockung mit einem Besprechungszimmer teuerer gekommen wäre. Amüsant auch die Einfälle mit den Abkürzungen bei Wohnungsbesichtigungen, wie „HdA“ für „Häufig defekter Aufzug“. Die Spitze auf dem sogenannten Eisberg treibt er, als er die vielen innerstädtischen Parks zu wilden Müllhalden verkommen lässt, weil die Brandenburger illegal ihre Hinterlassenschaften in die Stadt verfrachten. Eine der größten Müllhalden liegt im Treptower Park mit den Weißen Bergen, die aus ausrangierten Kühlschranken, Tiefkühltruhen und Waschmaschinen bestehen. Dort liegt nicht nur ein „süßlicher Dunst des Zerfalls“ in der Luft, sondern es leben inmitten des Unrats viele Menschen in Hütten aus PET-Flaschen und anderen Materialien.

Stadttour der besonderen Art
Aber zurück zum eigentlichen Krimi, den Alef immer auf der Spur bleibt: Anfangs ist der Hauptverdächtige ein Hass-SMS- und Briefeschreiber, der mit „Anonyme Freunde sozialer Wohnraumbewirtschaftung“ signiert. Doch bald führt ein zweiter Mord, der vor Jahren auf ähnliche Art geschah, zu einer ganz anderen Spur…Alef nimmt den Leser mit auf eine Stadtbesichtigung, die Zustandsbeschreibung mit skurriler Phantastik mischt und garantiert spannend bis zur letzten Seite bleibt.

Kurz&Knapp:Absolut lesenswert. Ein fantastischer Krimi, bei dem Spannung und Satire eine mörderische Liaison eingehen.

Ich danke dem Rotbuch Verlag für das Rezensionsexemplar.

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