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Die Krimi-Rezension „Bringt mir die Nudel von Gioachino Rossini“ von Kurt Palm

Bringt mir die Nudel von Gioachino Rossini, Quelle: Residenz Verlag

Bringt mir die Nudel von Gioachino Rossini, Quelle: Residenz Verlag


Ich liebe skurrile Bücher, da schien mir Kurt Palms „Bringt mir die Nudel von Gioachino Rossini“ die richtige Wahl, obwohl es eigentlich nicht in die Krimiecke gehört. Schließlich wurde der österreichische Autor für sein Buch „Bad Fucking“ mit dem Glauser-Preis 2011 für den besten Kriminalroman des Jahres ausgezeichnet.

Rossini goes Wild West. Die Idee des Buches hört sich wirklich äußerst skurril an. Der Österreicher schickt den berühmten italientischen Belcantokomponist, der in seinen Kompositionen auch sehr humorvoll sein konnte, in den Wilden Westen. Nach einer stürmischen Überfahrt landet Rossini in New York, wo er einen Planwagen und zwei Maulesel namens Hansel und Bretzel ersteht. Er macht sich auf die Reise nach Poplar Bluff in Missouri, wo er von seinem Onkel Weideland und den Blind Pig Salon geerbt hat.

Drei drollige Gefährten
Auf seiner 1500 Kilometer weiten Reise begegnet er allerlei merkwürdigen Gestalten. Der Erste in seinem Gefolge wird der Inder Kalamesh, der im Auftrag seines Maharadschas die amerikanische Baumwollindustrie ausspionieren soll. Danach folgen der flüchtige Sklave Ringgold und der mit einem Ballon abgestürzte Indianer Big Thunder. Mit dem Trio hat Palm wirklich drei kauzige Wegbegleiter für Rossini herausgesucht, die es wirklich in sich haben und für viel Unterhaltung und viele Späße gut sind. Und sie bringen Rossinis Weltbild mächtig durcheinander. Die Figur des Rossini dagegen bleibt recht blass. Ebenso der eigentliche Western, er spielt sich in dem kleinen Nest in Missouri ab, wo ein erbitterter Kampf um die Wasserstelle aus dem Nachlass zwischen Viehzüchter und Schafzüchter entbrannt ist. Bis auf die Randnotiz, dass die Schafzüchter mit Myra und Lucie ein lesbisches Pärchen sind, ist dieser Teil des Buches recht konventionell gestrickt.

Der Wilde Westen lebt
Die Skurrilität hält sich bei „Bringt mir die Nudel von Gioachino Rossini“ in Grenzen, dennoch hat das Buch seinen eigenen Reiz. Palm versteht es auf unterhaltsame Weise fundiertes Wissen über die Ankunft der europäischen Einwanderer in New York, der Sklaverei in den Südstaaten und die Vertreibung der Indianer in die Handlung einfließen zu lassen – und das mit Bravour. Erzählerischer Höhepunkt ist für mich die stürmische Überfahrt mit einem Dreimaster von Le Havre nach New York zum Beginn des Buches. Fast meint man, mit auf dem wankenden Schiff zu sein, und nur knapp dem Tode zu entrinnen.

Palm überzeugt mit Erzähltalent

„Bringt mir die Nudel von Gioachino Rossini“ ist wahrlich kein Spaghetti-Western. Was ist das Buch dann? Ein abenteuerlicher Roadtrip durch den Wilden Westen im Jahre 1852, der mehr mit erzählerischem Talent überzeugt als mit Skurrilitäten.

Kurz&Knapp: Durchaus lesenswert. Eine Westernposse, eher unterhaltsam als skurril.

Kurt Palm
Bringt mir die Nudel von Gioachino Rossini
Hardcover, 264 S.
Residenz Verlag, 2014
Auch als E-Book erhältlich

Kurt Palm geboren 1955 in Vöcklabruck, Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg. Dr. phil. Seit 1983 als Autor und Regisseur tätig. Schrieb Bücher über Brecht, Stifter, Joyce, Mozart, Fußball und Palmsamstage. Drehte einige Kinofilme und inszenierte zahlreiche Opern und Theaterstücke im In- und Ausland.

Ich danke dem Residenz Verlag für das Rezensionsexemplar.

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