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Das besondere Buch: „Hipster wird´s nicht. Der Neuköllnroman“ von Uli Hannemann

Hipster wird´s nicht, Quelle: Berlin Verlag

Hipster wird´s nicht, Quelle: Berlin Verlag


Heute befindet ich mich auf krummen Abwegen, ich bespreche keinen Krimi, sondern einen Roman über meine alte Heimat Berlin-Neukölln, von der der Autor Uli Hannemann wahrlich Erstaunliches zu berichten weiß. In seinem Roman „Hipster wird´s nicht. Der Neuköllnroman“ haben die Hipster mit Vollbart, Jutebeutel und Hornbrillen längst das Regiment im Reuterkiez übernommen.

Hannemann spielt mit ihren Klischees und zieht sie genüsslich durch den Kakao, Pardon Mate-Tee. Überhaupt bekommen alle in dem Buch ihr Fett weg: Die Jugendkultur, die Spät-Spontis und die Slamer-Szene. Das Buch ist ein wahres Füllhorn von skurrilen Begebenheiten und komischen Einfällen, die mal derb, mal tiefsinnig und dann wieder liebevoll daherkommen.

Slamer trifft Hipster

Zur Story: Thomas, ein 44-jähriger abgehalfterter Slamer, erwischt es böse. Seine Freundin Annabel schmeißt ihn raus, da sie seine Affären satt hat. Doch wo hin, wenn man kein Geld hat? „Der Zoo nimmt nur Tiere, für ein Hostel habe ich kein Geld und die Bahnhofsmission, nächtlicher Notnagel meiner Tramperticketjugend, gibt es wahrscheinlich gar nicht mehr“. Nach Kurzaufenthalten bei seiner alten Freundin Doreen und bei den Obdachlosen, lernt er bei einem Poetry Slam im Neuköllner Norden die 25jährige Franziska kennenlernt. Er darf nach einer abstrusen Vorstellungsrunde in ihre Hipster-WG einziehen, wenn auch nur erstmal probeweise auf der großen Couch im Sofazimmer. Thomas nimmt die jungen Hipster, die ihre Miete mit dem monatlichen Scheck ihrer reichen Eltern zahlen, anfangs nicht für voll und sie ihn auch nicht. Allenfalls wird er als Retro Inventar betrachtet, mit dem man sich von anderen WGs abheben kann. Natürlich kommt es, wie es kommen muss, Franziska und er werden ein Liebespaar. Thomas, der ehemalige Sponti passt sich an und kleidet sich immer mehr wie ein Hipster und verkracht sich mit seinen alten Kreuzberger Freunden.
In diesem Roman prahlen zwei Welten aufeinander, dass alte Neukölln mit seinen Kiezbewohnern, die bei der jungen Generation neben „Derrick“, Fanta und dem „Zille-Eck“, wo Thomas als Tresenkraft anfängt zu arbeiten, als „voll Retro“ angesehen werden.

Zwei Welten

Allein die erfundenen Zitate, die jedem Kapitel vorangestellt sind, sind mehr als amüsant und es Wert, das Buch zu lesen. „Der Wendekreis des Krebses ist ideal zum Einparken“ (Aufdruck auf Stoffbeute; Neukölln, 21. Jh.) oder „Auf dem Radweg des Glücks lauern die Scherben der gebrochenen Herzen.“ (Stephen Hawking) mögen da als Appetithäppchen dienen.

Kurz&Knapp: Absolut lesenswert. Zwerchfell erschütterndes Lesevergnügen, Hip-Hipster geht nimmer.

Uli Hannemann, geb. 1965 in Braunschweig, lebt als Autor in Berlin-Neukölln. Er ist Mitglied der Lesebühne »LSD – Liebe statt Drogen« sowie der »Reformbühne Heim & Welt«. Von ihm erschienen u.a. die Bestseller »Neulich in Neukölln – Notizen von der Talsohle des Lebens« (2008) und »Neulich im Taxi: Notizen vom zweitältesten Gewerbe der Welt« (2009).

Uli Hannemann
Hipster wird’s nicht
Der Neuköllnroman
TB, 320 S.
Berlin Verlag, 2014
Auch als E-Book erhältlich

Ich danke dem Berlin Verlag für das Rezensionsexemplar.

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