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Die Krimi Rezension “Angriff der unsinkbaren Gummienten“ von Christopher Brookmyre

Angriff der unsinkbaren Gummienten, Quelle Galiani Berlin

Angriff der unsinkbaren Gummienten, Quelle Galiani Berlin


Christopher Brookmyre, geboren 1968 in Barrhead bei Glasgow, ist ein extrem vielseitiger Autor, dessen Werk und Bandbreite in Deutschland erst noch zu entdecken ist. Erst kürzlich legte Brookmyre in England mit Bedlam einen der ersten Romane aus der Welt der Computerspiele vor. Bekannt ist er für seine originellen Kriminalromane, die ihm bereits mehrere Krimipreise eingebracht haben. Er lebt mit seiner Frau, seinem Sohn in der Nähe von Glasgow.

Kurzbeschreibung
Telepathie und Stimmen aus dem Jenseits? Gegenstände, die sich aus der Luft materialisieren? Alles Hokuspokus, Aberglaube und Spinnerei?
Nachdem Gabriel Lafayette, der amerikanische TV-Star mit besonderen Gaben, die er selbst einen Fluch nennt, in einer beeindruckenden Séance mit der verstorbenen Frau des Möbeltycoons Lemuel gesprochen hat, will dieser an der Uni Glasgow ein wissenschaftliches Institut zur Untersuchung paranormaler Phänomene gründen.

Vorher soll Lafayette unter strengster Kontrolle seine Gabe unter Beweis stellen. Eine wissenschaftliche Sensation von historischem Ausmaß! Aber kann das wirklich wahr sein? Jack Parlabane, seines Zeichens Journalist von der unbequemen Sorte (jedenfalls für korrupte Politiker oder betrügerische Firmenbosse), hat Zweifel. Er ist einer, dem man nichts vormachen kann – und der eigentlich jede Art von Geisterglaube und Parapsychologie für Quatsch hält.
Doch es geschehen immer unerklärlichere Dinge, und in Jack keimt der Zweifel. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse, und er entdeckt die perfekte Undercover-Tarnung für die fetteste Story, die er je am Haken hatte.

 
Christopher Brookmyre
Angriff der unsinkbaren Gummienten
Klappenbroschur, 416 S.
Verlag Galiani Berlin, 2014
 

Meine Meinung
Nachdem mich der Krimi „Die hohe Kunst des Bankraubs“ des Schotten Christopher Brookmyre restlos begeisterte, war ich natürlich sehr neugierig auf seinen neuesten in Deutschland erschienen Kriminalroman. Schon allein der Titel „Angriff der unsinkbaren Gummienten“ versprach einen vergnüglichen Lesespaß.

Irrungen und Wirrungen
Auch in diesem Kriminalroman zeigt der Schotte ein ausgebrochenes Faible für Täuschungen, Tricks und falschen Ködern. Er ist ein wahrer Meister in der Kunst der Irreführung. Dafür hätte Brookmyre kaum ein besseres Thema wählen können als den Hang der Briten zu Spiritismus, Stimmen aus dem Jenseits und übersinnliche Phänomene. Alles nur eine Glaubensfrage oder doch nicht?

Jedenfalls ist der Bereich des Übersinnlichen und Okkulten ein wahres Tummelbecken für Betrüger und Scharlatane, die sich mit vorgeblichen paranormalen Fähigkeiten an leichtgläubigen Menschen bereichern.
Brookmyre hat ausgiebig recherchiert und lässt immer wieder Hintergrundwissen in seine Krimierzählung einfließen und verwendet historische Begebenheiten als Versatzstücke. So geht der Buchtitel auf den kanadischen Zauberer und Skeptiker James Randi zurück, der es sich zur Aufgabe machte Betrüger öffentlich anzuprangern. Mit „unsinkbare Gummienten“ bezeichnete er Menschen, die trotz besseren Wissens auf die Scharlatanerie immer wieder hereinfallen.

Erzählerisch bewegt sich Brookmyre auf hohem Niveau, man merkt dem Autor an, dass er sein Schreibhandwerk versteht. Er hat einen brillanten Schreibstil, wechselt leichtfüßig die Erzählperspektiven, wählt geschliffene Formulierungen und verwendet wohldosiert schnoddrige Ausdrücke. Kostproben gefällig? „So wie Sie verschaukelt worden sind, müssten Sie eigentlich jetzt noch ganz grün im Gesicht sein“.

Wissenschaft contra Hokuspokus
Natürlich gibt es auch Tote in „Angriff der unsinkbaren Gummienten“, schließlich ist es ein Krimi, aber Brookmyre Buch geht tiefer und kritisiert nicht nur den leichtfertigen Umgang mit dem Paranormalen, sondern nimmt auch Universitätsbetrieb, Gesellschaft und Medien satirisch aufs Korn.

Am besten gefällt mir die Figur des zynischen Journalisten Jack Parlabane, der mit unter die Grenzen des Erlaubten weit ausdehnt und munter im Spiel der Täuschungen mitspielt.
Trotz der exzellenten Zutaten und brillanten Einfälle kam ich bei dem Buch nicht so recht in den Lesefluss hinein. Es fehlt mir eine gewisse Leichtigkeit, die mich bei „Die hohe Kunst des Bankraubs“ überzeugte.

Kurz&Knapp: Lesenswert, Brookmyre ist ein Meister in der Kunst der Irreführung.

Ich danke dem Galiani Berlin für das Rezensions-Exemplar.

Weitere Rezension Die hohe Kunst des Bankraubs

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