Hinterlasse einen Kommentar

Die Buch-Rezension „Risiko“ von Steffen Kopetzky

kopetzky-risiko-240

Kopetzky Risiko., Quelle: Klett-Cotta


Auf den Spuren einer deutschen Geheimexpedition, die sich 1914 auf den beschwerlichen Weg von Konstantinopel nach Kabul macht, beschreibt Steffen Kopetzkys in seinem Roman „Risiko“ Der geschichtsträchtige und unterhaltsame Abenteuerroman ist eine moderne Fassung von Karl May und Tausendundeine Nacht.

Der Held des Romans ist der junge Marinefunker Sebastian Stichnote, der mit seinem Schiff SMS Breslau bei Ausbruch des 1. Weltkriegs vor der albanischen Küste liegt. Der hochbegabte Techniker, ist ein wacher Beobachter seiner Zeit und verliebt sich in die Albanerin . Seine Begeisterung für Literatur teilt er mit dem Wachoffizier Karl Dönitz, der ihn in das „Das große Spiel“ einführt. Das miliiärische Stategiespiel, das unter den deutschen Offizieren kursiert, ähnelt dem Lieblingsspiel meiner Jugendzeit und gab dem Roman seinen Titel.

Nachdem die SMS Breslau, den Hafen der Stadt Bone im französisch besetzten Algerien beschossen hat, flieht das Schiff verfolgt von der britischen Flotte durchs Mittelmeer nach Konstantinopel. In der Stadt am Bosporus trifft Stichnote Arjona wieder und lässt sich an Land versetzten. Dort wird Stichnote als Funkoffizier der Afghanistan-Expedition von Niedermayer zugeteilt. Aufgabe der Expedition ist es in Kabul, die zersplitterten afganischen Stämme zu einem gemeinsamen Dschihad, den heiligen Krieg, aufzurufen, damit sie gegen die Engländer in Indien kämpfen. Die abenteurliche Expedtion führt die waghalsigen Akteure über Aleppo, Bagdad, Teheran und Isfahan. Beschwerlich wird die Reise als sie zwei Wüsten durchqueren müssen, um nach Afganisthan zu gelangen. Unter der gnadenlosen Sonne zeigt sich der wahre Charakter einiger Expedtionsmitglieder, unter dem bunt zusammengewürfelten Haufen, Wird die Expedition ihre Mission erfolgreich abschließen und wie werden sie vom Kalifen in Kabul aufgenommen?

Der Roman, der sich natürlich seine literarischen Freiheiten nimmt, basiert auf vielen historischen Fakten und verwendet viele interessante historische Details. Die Hauptfigur des Sebastian Stichnote hat es nie gegeben, aber Kopetzky baut geschickt immer wieder Menschen und Geschehnisse aus dieser Zeit ein. Der Leser begegnet Lucien Camus, der Vater des berühmten Philosophen aus Bône im französisch besetzten Algerien und dem Arabienforscher Alois Musil, Vetter des bekannten österreichischen Schriftstellers. Der technikbegeisterte Stichnote schwärmt außerdem für die technischen Errungenschaften seiner Zeit und läßt den Leser durch seine Schilderungen daran teilhaben. Dazu gesellen sich Geschichten über Coca Cola, Opium, Brieftauben, ein Fußballspiel zwischen Fenerbahce und Galatasaray, ein schwuler Schweizer Journalist, ein falscher Prinz und vielem mehr.

Die interessanteste Geschichte ist jedoch, die historische verbürgte Niedermayer-Hentig-Expedition, die im Auftrag der kaiserlichen „Nachrichtenstelle für den Orient“ unterweges war, gegründet von Max von Oppenheim in Berlin. Durch Progpaganda wollte ihr Gründer, der deutscher Diplomat, Orientalist und Archäologe Max von Oppenheim die arabische Welt zum Glaubenskrieg gegen die Briten, Franzosen und Russen aufgestacheln. Mit einer ganzen Reihe teils abenteuerlicher Unternehmungen, zu denen auch die Niedermeyer Expedition gehörte, versuchten die Deutschen, zu einem Dschihad an der Seite des osmanischen Kalifats aufzurufen. Später glückte unter genau entgegengesetzen Vorzeichen dem berühmten Lawrence von Arabien die Vereinigung und der Aufstand der arabischen Stämme gegen die Osmanen.
Der Roman „Risiko“ verdeutlicht, dass der 1. Weltkrieg nicht nur in Europa voll entbrannt war, sondern auch im Nahen und Mittleren Osten. Der roman ist ein wahre Fundgrube von historischen, technischen und kulturgeschichtlichen Details.

Der Roman ist eine gelungende Mischung aus Abenteuergeschichte, historischer Roman und modernem Märchen aus „Tausendundeine Nacht“, der nicht nur in der Vergangenheit spielt, sondern eine Brücke bis in die heutige Zeit baut. „Risiko“ ist unterhaltend, sorgt Spannung und fasziniert durch eine Fülle an historischen Hintergrundwissen. K hat einen brillianten Roman geschrieben, der einer Schatzkiste gleicht. „Risiko ist ein moderner Roman in der Tradition von Karl May gemischt mit Elementen Geschichten aus der Märchenwelt von „Tausendundeine Nacht“. K verbindet Okzient mit Orient. Marinefunker Sebastian Stichnote, Held des Romans, und die Niedermeyer-Expedition stehen im Mittelpunkt der Handlung, dazu breitet K. ein Füllhorn vieler kleine Geschichten und Geschichten aus. K. breitet vor dem Leser über 700 Seiten ein üppiges schilerndes Historienkaleindoskop aus. Scheherazade hätte es heutzutage nicht besser gekonnt.

Absolut lesenswert. „Risiko“ ist eine intelligente Mischung aus Abenteuergeschichte, historischem Roman und modernem Märchen.

Steffen Kopetzky
Risiko
Gebundene Ausgabe, 731 S.
Klett-Cotta, 2016

Als E-Book erhältlich

Ich danke Klett Cotta für das Rezensionsexemplar.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: